Flora
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Flora und Fauna in Fischbiel tönt vielleicht interessant, aber es gibt ziemlich sicher nichts in Fischbiel was es nicht anderwo im Lötschental auch hat. Aber eine Sammlung von Bilder kann doch noch Lustig, oder Interessant sein. Eine kleine Bildergalerie hat es hier ganz unten. Und wer dazu beitragen kann ist herzlich Willkommen.
Zuerst kommt jedoch hier unten der Abschnitt "Flora" aus Das Buch von Fischbiel von Carl Stäubli. Er nennt schon mal viele Blumen und Pflanzen von ihm gesichtet zwischen Milibach und Tennbach. Anschliessend beschreibt dann Hans Trüssel die von ihm gesichtete Orchideen.
Carl Stäubli: Stieg ich im Frühling mit meinen Kindern auf den letzten Schneeflecken hoch, empfing uns die sanft aufsteigende, schon apere Moräne des Fischbiels. Zwischen niederen Kotoneasterbüschen guckten viele hundert Pelzanemonen wie kleine Eskimokinder mit hellgelben Gesichtern der Sonne entgegen. Mit der hohlen Hand konnte man die von der Wunderblume gespeicherte Sonnenwärme spüren. Die Pelzanemonen, die Frühlingsblumen meiner Kindheit, erweckte in mir Heimatgefühle für Fischbiel. In 1971 konnte endlich mit etlichen Verzögerungen mit dem Bau der Gondelbahn, dem Restaurant Zudili und einigen grösseren Bauten begonnen werden. Als erstes wurde ein überdimensionierter Rüstplatz eingerichtet. Die kleine Moräne von Fischbiel wurde von der ahnungslosen Bauherrschaft wie ein Frühstückei gekapptt und das uralte Wurzelwerk der Pelzanemonen unter einem halben Meter Schutt erstickt. Schon bald keimten aus dem Wald eingeflogene Lärchen samen, für die der humusfreie Schutt ideale Keimbedingungen bot. Am nun steiIabfallenden Nordhang biIdete sich ein Meer von im Winde wogenden Weideröschen, die dem aus Italien einfliegenden, schwarz-weiss-orange gezeichneten Schmetterling, dem Admiral, ihren Honig anbieten. Die Pelzanemonen aber sind für immer verschwunden.
Die Flora auf den Wiesen von Fischbiel ist durch eine nachhaltige Bewirtschaftung während vieler Jahrhunderten geprägt: sorgfältige Bewässerung, einmaliger Schnitt des Grases im Hochsommer, Beweidung im Herbst und massvolle Düngung vor dem Einschneien. Diese Flora steht im Gegensatz zur Trockenvegetation, die nie von der Suon erreicht wird, zum Beispiel am Tschuggen. Für den schwindelfreien Beobachter lohnt es sich, im Spätfrühling von der trockengelegten Treimadsuon über den Rücken des Tschuggens durch ein Meer von Maiglöckchen (Convallaria majalis) zu steigen, die schon nach wenigen Wochen den Paradieslilien (Paradisea IiIiastrum) weichen müssen. Vor dem Einstieg zum Tschuggen kann man das bescheidene, hellblaue Mont-Cenis-Stiefmütterchen (Viola cenisia) mit dem langen Sporn finden. Es ist selten und kommt in den Ostalpen nicht vor.
Für eine exakte Darstellung der Flora halte ich mich nicht für zuständig. Hingegen möchte ich doch Einzelheiten, die mich besonders beeindruckt haben, erwähnen. Über die hier gut vertretene Welt der Orchideen wird der Orchideen und Schmetterlingsfreund Hans Trüssel berichten.
Der Frühling wird von der wunderschönen Pelzanemone (Pulsatilla vernalis) eingeläutet, die heute noch an der Biel-Ostflanke, am Seebord und auf der grossen Moräne ob Steinegga blüht. An Pfingsten, wenn in der FIüemad und Treimad Schwefelanemonen (Pulsatila apiifolia) , Enziane und der Lerchensporn dominieren, wachsen der Treimadsuon entlang die kleine Mehlprimel (Primula farinosa) und noch einige verspätete Soldanellen (Soldanella alpina), sowie auf sehr feuchtem, moorigen Boden das geschützte Alpenfettblatt (Pinguicula alpina). Es bezieht seinen Stick stoffbedarf von Insekten, die auf den klebrigen Blättern kleben bleiben.
Interessant ist, dass sich auf den Weiden des oberen Milibachtals die Schwefelanemone mit der Weissen Alpenanemone (Pulsatilla alpina) mischt. Die Schwefelanemone liebt saure Silikatböden, die Alpenanemone alkalischen Kalkboden. An den Bachverzweigungen wächst hier auch der Bewimperte Steinbrech (Saxifraga aizoides), die Futterpflanze des Alpenapollo (Parnassius phoebus). Die Felsen um das Lötschental bestehen, wie schon erwähnt, aus ganz verschiedenen Gesteinen. Entsprechend vielfältig ist auch die Flora: im Frühling leuchtet aus den nassen Felsenspalten des Arbenknubels die kalkfliehende Rote Felsenprimel (Primula hirsuta) auf. Auf zwei aus den Matten herausragenden Kalkköpfen direkt nördIich des Milibachs blüht die in dieser Region seltene Herzblättrige Kugelblume (Globularia cordifolia), die eher trockenen, alkalischen Boden braucht. Im Hochsommer wird sie durch die kalkliebende Alpenaster (Aster alpinus) abgelöst. Die geschützte, prächtige Blume findet sich auch in den Felsbändern des Marmors. Steigen wir noch kurz auf den Arbenknubel. Gegen die Kuppe besteht die Vegetation fast ausschliesslich aus der Krautweide (Salix herbacea), dem kleinsten Baum Europas. Stamm, Äste und Zweige sind im Boden eingewachsen. Begleitet wird die Krautweide von der niederliegenden Alpenazalee (Loiseluria procumbens) und der Krähen- oder Schnapsbeere (Empetrum hermaphroditum), deren blauen Beeren, einzeln genossen, erfrischen.
Eine weitere Rarität des Lötschentals: Steigen wir nach der Treimad der Strasse zur Weritzalp entlang bis zum Hydrant und über die Matten zum Ferrich, entdecken wir während des ganzen Sommers krautartige, grüne Pflanzen, deren Sporen in einer aufrechten Rispe erst im Spätsommer reifen. Es ist die Mondraute (Botrychium lunaria), eine Frühform der Farne. Im Hochsommer entdeckt der Wanderer am Südhang vom Biel zwischen Lawinenverbauungen einige Kolonien des Türkenbunds (LiIium martagonum). Zusammen mit der Riesenflockenblume (Centaurea rhapontica) kommt er auch in gefährlicher Lage auf den Felsen unterhalb des obersten Wanderwegs nach der Weritzalp vor. Immer wieder besuche ich die tiefblauen Stauden des Eisenhuts, die zusammen mit den fast schwarzen Erlen und Weiden am Rand des Milibachs auf der Höhe der Fischbielsuon wachsen. An einigen Stellen gesellt sich ihnen die tiefrote Kartäusernelke (Dianthus carthusia-norum) bei. Im Gegensatz zu den fröhlichen BIumenwiesen stimmt diese GeselIschaft ernst und nachdenklich.
Die Orchideen auf Fischbiel (Hans Trüssel)
Eigentlich hat damals alles mit einem farbigen Kalenderbild begonnen, auf welchem das Lötschental in seinen herbstlichen Farben gezeigt wurde. Darüber erhob sich majestätisch das frisch verschneite Bietschhorn in den blauen Himmel. Beiläufig sagte meine Frau Rosmarie, das wäre doch eigentlich ein sehr schönes Ferienziel für uns und die beiden damals kleinen Kinder, Corinne und Dominik. Ich persönlich war nicht sehr begeistert von diesem Gedanken. Waren wir doch gerade dabei, einen anderen Ort im Wallis liebzubekommen, in dem wir seit zwei Jahre unsere Sommerferien verbrachten. Meine Bedenken waren damals, mir könnte dann die unmittelbare Nähe der höchsten Berge in den Walliser Südtälern fehlen. Glücklicherweise nahm mir dann Rosmarie diese Entscheidung ab, indem sie kurzerhand im Lötschental ein Ferienhaus suchte.
So kam es, dass unsere Familie ab Juli 1982 während elf Jahren die Ferien auf Fischbiel verbrachte. Wir genossen die herrliche, nach Kräutern duftende Bergluft ausgiebig, und freuten uns ab den zahlreichen Blumen, die vom Talgrund bis hinauf zum Firn die sonnendurchfluteten Hänge schmückten. Während Jahren konnten wir nun jeden Sommer neue Blumen-, Vogel- und Insektenarten beobachten oder fotografieren. Ich kenne auch heute noch kein besseres Gefühl, als über dem Milibach inmitten von weissen Paradieslilien, dem Gesang der Feldlerche zu lauschen, die sich in den hellblauen Morgenhimmel erhebt. Dieser stille Ort ist uns in der langen Zeit sehr ans Herz gewachsen. Wir haben viele liebe Leute Einheimische wie Feriengäste kennengelernt. Oft konnten wir uns am Ende der dreiwöchigen Ferien nur mit Wehmut von der Alp verabschieden. Die Gewissheit aber, in 49 Wochen wieder herzukommen, liess den Abschiedsschmerz jeweils etwas erträglicher werden.
Da ich mich persönlich seit vielen Jahren in meiner Freizeit mit Orchideen beschäftige, indem ich die AGEO Aargau (Arbeitsgruppe für einheimische Orchideen) mit über 170 Mitgliedern leite, lag es auf der Hand, dass ich auch im Lötschental und dies ganz besonders in der Umgebung von Fischbiel, nach meinen Lieblingen suchte. Die Orchideen gehören einer Pflanzenfamilie an, deren Weiterentwicklung noch in vollem Gange ist. Diese jüngste, fast über die ganze Erde verbreitete Pflanzenfamilie - ihr Schwerpunkt liegt in tropischen und subtropischen Gebieten - zeigt das Grundprinzip, die "Idee" ihrer Blütengestalt in einer unübersehbaren Fülle und Vielfalt abgewandelt. Unter den heute bekannten über 25 000 Arten gibt es neben jenen mit grossen, oft phantastisch anmutenden Blüten auch Pflanzen mit nur millimeter kleinen, unscheinbaren Blütchen, die sich erst unter der Lupe als grazile, bis ins kleinste durchgeformte Wunderwerke der Natur entpuppen. In der Schweiz wurden bis heute 67 verschiedene Orchideenarten gefunden, die 29 unterschiedlichen Gattungen angehören. Im Lötschental konnte ich davon 15 Arten auffinden. Im Folgenden, möchte ich meine Orchideenfunde der näheren und weiteren Umgebung von Fischbiel, etwas näher vorstellen und beschreiben.
Orchis Mascula
Männliches Knabenkraut
Orchis mascula ist eine recht häufige Orchidee, die vom Tiefland bis hinauf gegen 2700 m verbreitet ist. Sie besiedelt lichte Föhren und Laubmischwälder, Magerwiesen, Riedwiesen, ungedüngte, mässig feuchte, tiefgründige Wiesen, buschige Bergdriften, magere Alpweiden , auf kalkhaltigen bis mässig sauren Böden. Meistens handelt es sich um stattliche Pflanzen mit ungefleckten oder gefleckten Blättern, die sich in einer schönen Rosette auf dem Boden ausbreiten. Blüten stand zylindrisch, locker bis dichtblütig mit 830 Blüten. Die Farbe der Blüten variiert von hell bis dunkelrosa oder purpurrot, selten findet man auch weis se Exemplare. Der Sporn ist gut ausgebiIdet und weist immer nach oben. Um Fischbiel ist O. mascula gut vertreten. Ich fand sie jeweils reichlich bei Walbinen westlich Altmattenwald, Seebord-Underem Bord, Biel-Ferrich-Bielhüsi. Da es sich hier um eine recht frühe Art handelt, konnte ich diese Orchidee oft nur in verblühtem Zustand fest stellen. Bei Biel-Ferrich habe ich über Jahre ein schneeweisses Exemplar beobachtet.
Orchis usulata
Angebranntes Knabenkraut
Orchis ustulata ist bedeutend weniger häufig als die vorige Art. Sie kommt im Tiefland wie in den Bergen bis zu einer Höhe von etwa 2100 m vor. Man trifft sie auf Magerrasen, grasigen Hügeln, Wald und Heidewiesen, Halbtrockenrasen warmer, sonniger Lagen, in Iichten Föhren-Eichen-Wäldern, seltener in kalkreichen Flachmooren, immer auf ungedüngten, wechselfeuchten, mageren bis humosen Böden, auf Kalk und Urgestein. Meistens sind es eher kleine Pflanzen, die einem nicht sofort auffallen. Ihre Grösse schwankt so zwischen 10-30 cm. Die rosettenartig genäherten Blätter sind ungefleckt und von blaugrüner Farbe. Der Blüten stand ist reichblütig, oben dicht, unten aufgelockert , zuerst kegelförmig, dann kurz bis lang zylindrisch. Die Blüten duften nach Honig, die Perigonblätter der Einzelblüten biIden einen aussen roten bis schwarzbraunen Helm. Die Blütenknospen wirken daher schwärzlich (angebrannt). Die Blüten weisen einen kurzen, abwärts ge richteten Sporn auf. Diese Orchidee ist im Lötschental nicht gerade häufig. Um Fischbiel habe ich sie nur gerade an einer Stelle in einigen Exemplaren gefunden. Der Fundort ist oberhalb der Haarnadelkurve beider oberen Walbinenschür.
Dactylorhiza majalis
Breitblättriges Knabenkraut
Hier haben wir es mit einer recht häufigen, jedoch ausserordentlich variablen Orchidee zu tun. Oft ist sie nur sehr schwer anzusprechen, da sie wie alle im selben Lebensraum vorkommenden Arten der Gattung Dactylorhiza , sehr leicht Hybriden mit anderen Arten biIdet und somit auch Merkmale anderer Arten aufweist. Sie ist verbreitet vom Flachland bis ins Gebirge, hier bis zu einer Höhe von 2500 m. Sie bevorzugt nährstoffreiche Böden feuchter bis nasser Wiesen, QuelIsümpfe, Flachmoore , Torfböden, nasse Gräben, lichte Waldstellen und Flussauen. Die Pflanzen sind mit ihrer leuchtend roten Blütenäre meistens kaum zu übersehen. Die Höhe schwankt zwischen 15-40 cm, kann aber auch 60 cm erreichen. Der Stengel ist dick und hohl, im oberen Bereich kantig und purpurn überlaufen. Die Pflanze hat drei bis sechs mehr oder weniger breite, eiförmig lanzettliche, meist gefleckte Blätter. Der Blütenstand ist zylindrisch und dichtblütig. Die Blüten sind in ihrer Grösse ausserordentlich variabel, meist recht gross, hell bis dunkel purpurn, oder purpurrot. Lippe dreilappig mit vorgezogenem Mittellappen. Mittelteil der Lippe heller gefärbt, mit meist auffälliger, akzentuierter Schleifenzeichnung, oft mit Punkt- oder Strichzeichnung in der Randzone. Der Sporn ist relativ dick, walzIich konisch, schwach abwärts gebogen. Das breitblättrige Knabenkraut ist im gesamten Lötschental gut vertreten. In Fischbiel habe ich es beobachtet unterhalb der Strasse zur Lauchernalp, da wo die Strasse beider grossen Lärche zuerst nach rechts und dann beiden Kehricht-Containern nach Iinks abbiegt. Ein wunderbares Feuchtbiotop, mit hochinteressanter Begleitflora. Man betritt das Feuchtgebiet besser nicht, da man durch Trittschäden vielzerstören würde. Ein weiteres Gebiet wo diese Orchidee reichlich vorkommt , ist der östlich geneigte Abhang gegen den Tennbach hinüber, oberhalb der Haarnadelkurve bei Walbinen.
Dactylorhiza fuchsii
Geflecktes Knabenkraut
Diese wunderschöne, nicht zu übersehende Pflanze kann im Lötschental weitherum beobachtet werden. Sie wächst auf alkalischen, aber auch auf sauren Böden, in Mooren , auf trockenen bis mässig feuchten Wiesen, Weiden, in Wäldern, an Strassenrändern. Sie steigt vom Tiefland bis auf 2300 m Höhe. Pflanzenhöhe 15-50, oder sogar 80 cm. Stengel volImarkig, im oberen Bereich kantig. Laubblätter 5-10, in der Regelgefleckt. Blütenstand kegelförmig, dichtblütig. Blütenfarbe variabel, purpurn, rosa, hell lila, malvenfarbig bis weiss. Lippe ausgebreitet, tief dreilappig, MittelIappen im Vergleich zu den mehr oder weniger rhombischen Seitenlappen gross und vorgezogen. Lippenzeichnung meist reich und kräftig mit Schleifenmuster, Punkten und Strichen. Spornzylindrisch 6-12 mm lang. Auf Fischbiel trifft man das gefleckte Knabenkraut am Abstieg von Netzbord nach Wyssenried, im lockeren Lärchenwald. Aber auch im oberen Teil des Bannwaldes, wenn man nach dem MiIibach Iinks dem Fussweg nach Wiler folgt. Dort stehen sie am Wegrand und verschiedentlich in den Waldwiesen.
Dactylorhiza sambucina
Holunder Knabenkraut
Dieses ist meiner Meinung nach eine der schönsten Orchideen in unserem Lande. Da sie früh im Bergfrühling blüht, hatte ich nur sehr selten die Gelegenheit, sie in der Gegend von Fischbiel noch in Blütenpracht anzutreffen. Das Holunder Knabenkraut ist zu seinem Namen gekommen, weil die Blüten zuweilen schwach nach Holunder duften. Im Tessin und im Wallis ist es häufig, sonst eher selten anzutreffen. Es kommt vor in frischen bis trockenen Wiesen, Magerrasen, Bergwiesen, buschigen Hängen, Iichten WaldstelIen, auf sauren oder schwach basischen Böden. Man findet es vom Tiefland bis gegen 2200 m. Sie ist eine robuste Pflanze mit einer Höhe von 10-30 cm. Der Stengel ist wie bei der Breitblättrigen Knabenkraut hohl und die vier bis sieben saftig grünen, ungefleckten, glänzenden Blätter stehen am Grunde gedrängt. Der Blüten stand ist eiförmig, dicht und reichblütig. Die Farbe der Blüten reicht vom hellen Gelb, bis zum dunklen Rot. Dazwischen ist jede übergangsschattierung bis hin zum zartesten Rosarot denkbar. Der dicke, walzIich konische Sporn ist abwärts gebogen. Sicher ist diese Orchidee im Lötschental gut vertreten. Da sie wie gesagt Anfang Juli aber meistens verblüht war, habe ich sie nur an einigen wenigen Stellen nachweisen können. So auf der Lauchernalp und zwischen Altmattenwald und RotsMoos.
Nigritella nigra
Schwarzes Männertreu oder Bränderli
Das Männertreu ist sicher unsere bekannteste Bergorchidee. Jedem Alpenwanderer dürfte der zarte VaniIleduft dieser Pflanze ein Begriff sein. Sie ist im Lötschental auf allen kurzrasigen, gut besonnten Hängen häufig. Oft trifft man auf der Höhenwanderung zur Fafleralp, beim Abstieg von Weritzstafel nach Tellistafel auch stark rot gefärbte Exemplare des schwarzen Männertreus an. Diese dürfen aber nicht mit dem in östIichen Teilen der Schweizer Alpen vorkommenden roten Männertreu verwechselt werden. Vielmehr handelt es sich hier um Farbvarianten. Nigritella nigra kommt vor auf sonnigen, trockenen , alpinen Wiesen, Weiden, Zwergstrauchheiden, Wildheuplanken, auf basischen bis schwach sauren Böden. Man trifft sie in Kalkalpen häufig, auf Urgestein seltener an. Die Pflanze ist niederwüchsig, 5-27 cm hoch, mit kantigem bis oben beblättertem Stengel. Laubblätter zahlreich, die unteren am Grunde rosettenartig gehäuft. Der Blütenstand ist vor dem Aufblühen kegelförmig, später halbkugelig oder kugelig bis eiförmig, dicht und reichblütig. Das Blütenköpfchen weist 20-75 trichterförmige Einzelblüten auf. Sie weisen im Unterschied zu den Meisten unserer Orchideenarten mit der Lippe nach oben (nicht resupiniert) , und sind schwarzpurpurn bis schokoladebraun oder dunkelbraunrot, selten rosa, orange oder gelb. In der Umgebung von Fischbiel ist das Bränderli auf kurzen, sonnigen Wiesen fast überall zu finden: GeisshaIde, Tschuggen, Walbinen, östlich und westlich Altmattenwald, Biel, Murmloch, Steineggu.
Gymnadenia conopsea
Mückenhändelwurz
In der ganzen Schweiz recht verbreitet, kommt sie vom Tiefland bis hinauf in Höhen von 2800 m vor. Ihre Lebensräume sind Iichte Föhrenwälder bis in den Legföhrengürtel hinauf, Heide und Riedwiesen, Feucht und Nasswiesen, Flachmoore, Magerrasen, Berg wiesen, auf mässig trockenen, sauren bis basischen Böden. Die Pflanzen sind je nach Standort 15-50 cm hoch, können aber auch mal 90 cm erreichen. Von den 3-10 Laubblättern sind die oberen 34 dem Stengel entlang angeordnet und sehr vielkleiner als die grundständigen. Der Blütenstand ist 5-30 cm lang, dicht oder lockerblütig mit 10-50 Einzelbluten. Blüten intensiv rotIila bis rosa und meist sehr stark duftend. Die BlütenIippe ist dreilappig und weist keine Zeichnung auf. Der Sporn ist 10-20 mm lang, viellänger als der Fruchtknoten, dünn, abwärts gebogen, fast immer mit sichtbarem Nektar. Diese Orchidee wird oft von Schmetterlingen besucht, die einen genügend langen Rüsselbesitzen, um an den Nektar heranzukommen. Im ganzen Lötschental ist die Mückenhändelwurz häufig und kaum zu übersehen. Im Gebiet von Fischbiel tritt sie meistens zusammen mit dem schwarzen Männertreu auf. Ein ganz dichter Bestand steht aber an der oberen Strassenböschung, in der ersten Haarnadel kurve der Strasse Fischbiel-Wiler, bei Stockbord.
Gymnadenia conopsea x Nigritella nigra
Kreuzung: Mückenhändelwurz und schwarzem Männertreu
Nicht selten kommt es vor, dass diese beiden, verschiedenen Gattungen angehörenden Arten, durch Kreuzbestäubung Hybriden ausbiIden. Für den Orchideenfreund sind solch Funde immer ein überaus freudiges Erlebnis. Hybriden sind unter unseren Orchideen recht viele bekannt, doch ist es oft nicht einfach, sie als solche zu erkennen. Nicht immer treten nämlich die Merkmale der unterschiedlichen EItern so gut sichtbar zutage, wie im vorliegenden Fall. Gefunden habe ich diesen Hybriden regelmässig rechts oberhalb der Strasse Richtung Lauchernalp, unmittelbar nach der überquerung des MiIibachs. Zahlreiche Funde machte ich jeweils auch beim Aufstieg von Steineggu Richtung Spalihorn.
Traunsteinera globosa
Alpen-Kugelorchis
Diese typische Bergorchidee wird beim flüchtigen Hinschauen von vielen Wanderern nicht als Orchidee erkannt. Sie erinnert einen oft an ein Kardengewächs wie die Skabiosen oder die Knautien. Sie wächst auf kurz grasigen, nicht sehr trockenen Rasen bis feuchten, tiefgründigen Wiesen, basenreichen, oft steinigen alpinen und subalpinen Rasen und artenreichen Wiesen. Man findet sie in Höhen von 700 m bis gegen 2700 m. (Im Rheintal bei Schaan steigt sie bis auf 470 m herab). Es handelt sich um eine schlanke Pflanze mit einer Höhe von 20-60 cm. Am kahlen Stengel finden sich 4-6 aufrecht stehende, blaugrüne Blätter, die gegen oben allmählich kleiner werden. Der Blütenstand ist dicht- und vielblütig, zuerst pyramidenförmig-kugelig, beim Abblühen eiförmig-zylindrisch. Die Blüten sind blass- bis purpurrosa, selten rein weiss, Lippe und manchmal auch die inneren Blütenblätter mit dunkelpurpurnen Flecken. Der Sporn ist sehr kurz. Um Fischbiel fand ich die Pflanzen zahlreich am Sonnenhang zwischen Spalihorn und Tennbachhorn-Aengräischa, Glaiwina.
Platathera bifolia
Zweiblättrige Waldhyazinthe
Diese stellenweise recht verbreitete Orchidee besiedelt Magerwiesen, Moore , Föhrenwälder, Laubmischwälder, auf trockenen bis feuchten, humosen Böden, auf Urgestein und Kalk. Wir finden sie vom Tiefland bis hinauf gegen 2500 m. Der helIgrüne Stengel dieser Pflanze wird 15-80 cm hoch. Am Grunde befinden sich meistens zwei gegenständige, ungefleckte Laubblätter von hellgüner Farbe. Sie sind oval bis breit-lanzettlich und 7-20 cm lang. Der Blütenstand ist zylindrisch, bis 25 cm lang, locker und meist vielblütig. Farbe der Blüten weiss bis leicht gelblich. Lippe abwärts gerichtet, ungeteiIt, zungenförmig, 8-15 mm lang und an der Spitze grünlich. Der Sporn steht waagrecht, ist fadenförmig, dünn und ist mit 20-30 mm Länge viel länger als der Fruchtknoten. Die Pollenfächer stehen eng und parallel beieinander. Der Sporn von Platanthera bifolia und P. chlorantha (im Lötschental nicht beobachtet) charakterisiert diese beiden Arten als Nachtfalterblumen. Sie werden von grösseren Arten wie z.B. WolfsmiIchschwärmer, Weinschwärmer und verschiedenen Eulenfaltern besucht. Der Sporn hat einen sehr engen Eingang, ist lang und dünn und enthält an seinem Ende Nektar. Zudem duften die Blüten am Abend, wenn die Nachtfalter fliegen, intensiv hyazinthenartig. Die helle, weissliche Blütenfarbe bei der Arten, macht die Pflanze in der Dämmerung auffällig. Im Lötschental nicht häufig. Um Fischbiel an den Strassenrändern bei Bielhüsi, sowie in den kurzgrasigen Hängen südlich des Spalihorns.
Coeloglossum viride
Grüne Hohlzunge
Eine im gesamten Lötschental recht verbreitete Orchidee, die aber ihrer Kleinheit und der unauffälligen Farbe wegen, meistens übersehen wird. Sie gedeiht in alpinen, kurzgrasigen Wiesen und Weiden, Sumpfwiese, Waldlichtungen, lichten Nadelwäldern, Laubmischwäldern , Magerrasen, Zwergstrauchheiden, Gebirgswiesen, sowohl auf kalkreichen als auch auf sauren Böden. Vom Tiefland wo man sie selten antrifft, steigt sie bis auf 2700 m Höhe. Der Stengel dieser Pflanze ist 5-25 cm hoch. Laubblätter 3-7, die unteren oval, am Stengelgrund konzentriert. Blütenstand 3-12 cm lang, 5 bis über 20 blütig. Die Blüten sind gelb oder grün, häufig kräftig braunrot überlaufen. Lippe zungenförmig, 5-10 mm lang, gegen vorne verbreitert, dreilappig, seitliche Lappen mehr oder weniger parallel, MittelIappen deutlich kürzer und spitzzahnförmig. Sporn 23 mm lang, sackartig, durch eine fast rundum führende Einkerbung in zwei symmetrische Hälften gegliedert. Im Umkreis von Fischbiel eine häufige Pflanze. So vom Milibachsteg (2025 m) am ganzen Hang bis Biel-Bielhiisi. Die schönsten Exemplare stehen aber beim Übergang über den Milibach bei 2106 m, auf den vom Bach umspülten Inselchen, die vom Vieh normalerweise nicht beweidet werden.
Listera ovata
Grosses Zweiblatt
Auch sie ist eine Orchidee, die häufig nicht beachtet wird. Die ganze, oft recht grosse Pflanze ist von einheitlich grüner Farbe. In diesem schlichten Kleid fällt sie aber dem Wanderer meistens gar nicht auf. Fast überallverbreitet; wohl die häufigste Orchideenart der Schweiz. Sie besiedelt Laubmischwälder, Gebüsche, Riedwiesen, Hangmoore, Auen, Magerwiesen, Gärten und Weiden. Vom Tiefland bis 2300 m. Unscheinbare, anspruchslose Pflanze, 2060 cm hoch , oben deutlich behaart. Laubblätter zwei, beinahe gegen ständig, breit oval, deutlich genervt, oberseits matt. Blütenstand reich bis über 60blütig. Blüten grün bis gelbgrün, kurz gestielt. Lippe tief zweispaltig mit stumpfen Lappenenden. Nektarium (Nektarnapf) an der Lippenbasis beidseits von Leisten begrenzt und nach vorn auf der Lippenfläche in eine Furche übergehend , häufig einen deutlich sichtbaren, glänzenden "Nektarfaden" enthaltend. Sporn fehlt bei diesen Blüten. Ein reicher Bestand dieser Art findet sich im Gebiet von Fischbiel zusammen mit dem breitblättrigen Knaben kraut, am östlich geneigten Abhang gegen den Tennbach hinüber, oberhalb der Haarnadelkurve bei Walbinen.
Pseudorchis albida
Weisse Höswurz
Eine eher kleine, nicht sehr auffällige Orchidee, die im Jura selten, in den Alpen jedoch verbreitet, stellenweise häufig, anzutreffen ist. Man findet sie auf kurzgrasigen Wiesen und Triften auf etwas sauren, oder flächlich kalkarmen Böden in hohen Lagen, grasigen Hän gen, lockeren Zwergstrauchbeständen, Magerrasen, Zwergstrauchheiden, Hoch- und Flachmooren in tiefen Lagen. Von 600 m bis 2500 m. Stengel1030 cm hoch, 48 ungefleckte Laubblätter. Blütenstand 212 cm lang, zylindrisch, meist sehr dichtblütig, mit 1040 weissen bis gelblichen Blüten. Durchmesser der Blüten etwa 5 mm, eng der Blütenachse anliegend, nickend. Lippe dreilappig, 2, 63,5 mm lang , 23 mm breit, dreilappig. Die drei Lippenlappen sind meist fast gleich lang, manchmal ist der mittlere länger als die seitlichen. Sporn zylindrisch, 2-3 mm lang, 1 mm dick, dem Fruchtknoten entlang gegen hinten abwärts gerichtet. Im Raum Fischbiel fand ich sie hauptsächlich am Arbechnubel und am Sonnenhang unter dem Spali- und dem Tennbachhorn.
Weitere Orchideen im Lötschental gefunden
Korallenwurz (Corallorrhiza trifida)
Eine eher seltene Orchidee, die nur zerstreut auftritt und deren Individuenzahl von Jahr zu Jahr schwankt. Sie kommt vor in schattigen, humusreichen, moosigen Laub und Nadelwäldern, schattigen Bergwiesen, auf modernden Stämmen, auf bemoosten Felsblöcken, auf mehr oder weniger sauren, aber auch auf basischen Böden, vom Tiefland bis gegen 2200 m. Unscheinbare Pflanze, mit korallenartigem, verzweigtem Rhizom ohne Wurzeln. 7-25 cm hoch, am Grunde drei Schuppenblätter, eigentliche Laubblätter fehlen. BIütenstand locker, mit 49 kleinen, kurzgestielten BIüten. Blütenblätter grünlichgelb, oft bräunlichrot gefleckt oder überlaufen, gegen die Spitze manchmal mit braunen, oder rotpurpurnen Rändern. Lippe weiss, am Grund meist mit roten, die Nektarrinne markierenden Flecken, stumpf zungenförmig, 5-6 mm lang. Einige wenige Exemplare gefunden entlang des Wanderweges von der Faldumalp nach Jeizinen. Im Juli 1987 zu hinterst im Tal im Gebiet Gletscheralp-Ganderre mehrere über und über honiggelbe Pflanzen gefunden. Seither nie wieder beobachtet. Der Standort lag nur 800-1000 Meter von der Gletscherzunge des Langgletschers entfernt. Dies vermag nicht zu verwundern, kommt diese Orchidee doch auch im hohen Norden wie z.B. in Island oder in Sibirien vor und verträgt demnach auch sehr harte klimatische Bedingungen.
Herzblättriges Zweiblatt (Listera cordata)
Ein sehr schmächtiges Pflänzchen, dem man in der Regel nicht einfach nur so begegnet , sondern das man gezielt suchen muss. Listera cordata kommt zerstreut in den Voralpen und Alpen vor. Hier tritt sie gelegentlich in Massen auf. Im Jura ist sie sehr selten. Sie bewohnt mehr oder weniger saure Böden von alten torfmoosreichen Fichten und Bergföhrenwäldern, kommt vor in tundrenartigen Zwergstrauchheiden, auf schwach sauren, feuchten Torf oder Moorböden, auf moosigen Baumstrünken, in Felsspalten. Sie tritt fast immer zusammen mit der Heidelbeere (Vaccinium sp.) und dem Sauerklee (Oxalis sp. ) auf. Meinen einzigen Fund dieser Orchidee im Lötschental machte ich im Chippelwald, an der nach Norden gerichteten Talseite.
Braunrote Stendelwurz (Epipactis atrorubens)
Im Jura und in den Voralpen ist sie recht verbreitet , im Mittelland kommt sie eher zerstreut vor. Meist auf Kalkböden warmer, sonniger Lagen, in hellen Laub und Nadelwäldern (besonders Föhrenwäldern), Kalkschutthalden, Strassenböschungen, Pfeifengraswiesen mit wechsel feuchtem Untergrund, gerne in GeselIschaft mit der Fliegenragwurz (Ophrys insectifera). Kann als Pionier pflanze sekundäre Standorte (Kiesgruben, Strassenränder) besiedeln. Vom Tiefland bis 2400 m. Stengel 15-80 cm hoch, oben dicht flaumig behaart , fast stets purpurn überlaufen. 5-11 Laubblätter, mehr oder weniger zweizeilig angeordnet. Laubblätter schmal bis breiteiförmig, zugespitzt, oft sichelförmig gebogen, dunkelgrün, auf der Unterseite rot überlaufen. Blütenstand bis 2-5 cm lang, mit 10-40 locker gestelIten Blüten, oft einseitswendig. Blüten ziemlich klein, pur- purrot bis rotbraun, nach VaniIle duftend. Das Schüsselchen der Lippe, (Hypochil) ist halbkugelig, innen dunkelviolett, Nektar produzierend. Der vor dem Hypochil liegende Lippenteil(Epichil) ist herzförmig, breiter als lang, mit 2 seitlichen runzeligen Wülsten, am Rande gekerbt. Fruchtknoten dicht flaumig behaart. Im untersten, stark sonnenexponierten Teil des Bannwaldes oberhalb des Dorfes Wiler, sowie entlang des Wanderweges Iinks der Lonza, kurz vor Goppenstein, gefunden.
Ich hoffe nun bei allen Lesern dieses Artikels die Neugier ein wenig geweckt zu haben, um vielleicht mal die eine oder andere Orchidee selber suchen und bestimmen zu können. Bestimmt wurden noch nicht alle Orchideen im Tal gefunden. Interessant wäre zum Beispiel die Frage, ob es die Zwergorchis (Chamorchis alpina) im Lötschental auch gibt. Zwar ist sie stark an Kalk gebunden und kommt meistens in GeselIschaft mit dem Edelweiss (Leontopodi um alpinum) und der SiIberwurz (Dryas octopetala) vor. Beide Arten finden sich im Lötschental, allerdings recht selten.
Blumen, Pflanzen, Bäumen... soooo viele und so schön!
Wer sagt nicht mal: "Hé, schau mal, die ist schön" und zeigt dabei auf eine Blume oder Pflanze. Wer dann wissen möchte was für Blume es wohl ist, der nimmt sein Smartphone in der Hand und bekommt alle Informationen auf den Bildschirm präsentiert. Deshalb braucht es hier gar keine Seite mit "Flora". Trotzdem, vielleicht sieht ihr eine Pflanze die Besonders ist, oder einfach soooo schön. Sende das Bild und wir platzieren es in dieser Bildergalerie. Ich habe mal ein paar alte Bilder als Anfang zusammen gesucht.
